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    Sultan von Brunei wird 80: Reichtum, Macht und Kritik am autoritären System

    Symbolbild – ganz oder teilweise KI-generiert
    15.07.2026 54 mal gelesen 2 Kommentare

    Reichtum, Öl und Allmacht: Der Sultan von Brunei wird 80

    Sultan Hassanal Bolkiah von Brunei wird 80 Jahre alt. Der Monarch herrscht seit fast sechs Jahrzehnten nahezu uneingeschränkt über den Kleinstaat auf der Insel Borneo, der mit rund 450.000 Einwohnern kleiner als Schleswig-Holstein ist und zu den größten Ölproduzenten Südostasiens sowie zu den weltweit wichtigsten Exporteuren von Flüssigerdgas gehört. Darüber berichten unter anderem WELT, STERN.de, die Westdeutsche Zeitung, GN-Online und Der Patriot.

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    Zum Geburtstag verwandelt sich Brunei in eine mehrtägige Festkulisse. Gelbe Nationalflaggen mit schwarzem und weißem Streifen säumen die Straßen, während große Porträts des Herrschers an Gebäuden, Schulen und Behörden angebracht werden. In der Hauptstadt Bandar Seri Begawan findet alljährlich eine große Parade zu seinen Ehren statt.

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    Ein weiterer Bestandteil der Feierlichkeiten ist eine Reise des Sultans durch alle vier Landesteile. Dabei trifft er Bürger persönlich, nimmt Briefe entgegen und posiert für Fotos. Seine Beliebtheit wird in den Berichten auch mit den sozialen Leistungen des Landes erklärt: Privatpersonen zahlen keine Steuern, außerdem gibt es kostenlose Gesundheitsversorgung und Bildung sowie umfangreiche staatliche Subventionen.

    Politisch steht dem hohen Lebensstandard jedoch ein autoritäres System gegenüber. Bolkiah ist Staatsoberhaupt, Premierminister, Finanz-, Außen- und Verteidigungsminister sowie Hüter der islamischen Staatsreligion in Personalunion. Auf Grundlage eines seit 1962 geltenden und regelmäßig verlängerten Ausnahmezustands erlässt er Gesetze per Dekret; demokratische Strukturen oder Wahlen existieren nicht.

    Auch die Meinungs- und Pressefreiheit sind stark eingeschränkt. In die Verfassung wurde der Satz aufgenommen: „Seine Majestät der Sultan kann weder in seiner persönlichen noch in seiner offiziellen Funktion etwas Falsches tun“. Kritik am Sultan wird laut den Berichten streng geahndet, während viele Bürger das politische System wegen des hohen Lebensstandards akzeptieren.

    Ein Vermögen von etwa 30 Milliarden US-Dollar

    International bekannt ist Hassanal Bolkiah vor allem für seinen außergewöhnlichen Reichtum. Lange galt er als reichster Mann der Welt, ehe Tech-Milliardäre wie Bill Gates und Elon Musk ihn in den Ranglisten überholten. Sein geschätztes Vermögen wird weiterhin mit etwa 30 Milliarden US-Dollar beziehungsweise rund 26 Milliarden Euro angegeben.

    Zu seinem Besitz gehört eine Sammlung von etwa 7.000 Prestigeautos. Darunter befinden sich Schätzungen zufolge 600 Rolls-Royce und 450 Ferraris. Die Sammlung gilt als die größte der Welt und brachte dem Sultan einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde ein.

    BereichAngabe
    Geschätztes Vermögenetwa 30 Milliarden US-Dollar
    Umrechnung laut Quellerund 26 Milliarden Euro
    Prestigeautosetwa 7.000
    Rolls-Royce600
    Ferraris450
    Wert der Luxusautosmehr als fünf Milliarden Dollar

    Der Wert der Luxusfahrzeuge allein soll mehr als fünf Milliarden Dollar betragen. Um die Autos nutzen zu können, ließ der Sultan auf dem Palastgelände eine Rennstrecke bauen.

    Zusammenfassung: Hassanal Bolkiah zählt mit einem geschätzten Vermögen von etwa 30 Milliarden US-Dollar zu den wohlhabendsten Royals weltweit. Seine Sammlung von etwa 7.000 Luxusautos gilt als die größte der Welt.

    Der Istana Nurul Iman: Palast mit 1.788 Zimmern

    Der offizielle Sitz des Sultans ist der Istana Nurul Iman. Mit einer Fläche von 200.000 Quadratmetern gilt er als der größte Wohnpalast der Welt; seine Fläche entspricht laut den Berichten in etwa der Hälfte des Vatikanstaats.

    Der Palast verfügt über 1.788 Zimmer und mehr als 250 Bäder. Eine Kuppel besteht aus 22-karätigem Gold, auch Fenster- und Türbögen wurden mit purem Edelmetall ausgestattet.

    Zur Kunstsammlung gehört unter anderem ein Bild des französischen Impressionisten Auguste Renoir. Dafür soll der Sultan 70 Millionen Dollar bezahlt haben.

    • Fläche des Palastes: 200.000 Quadratmeter
    • Zimmer: 1.788
    • Bäder: mehr als 250
    • Palastkuppel: 22-karätiges Gold
    • Gemälde von Auguste Renoir: 70 Millionen Dollar

    Infobox: Der Istana Nurul Iman verbindet repräsentative Macht mit außergewöhnlichem Luxus. Besonders hervorgehoben werden seine Fläche von 200.000 Quadratmetern, 1.788 Zimmer und eine Kuppel aus 22-karätigem Gold.

    Kritik an Scharia und drakonischen Strafen

    Brunei geriet international wegen seines strengen islamischen Strafrechts in die Kritik. Die Scharia wurde ab 2014 schrittweise eingeführt und 2019 nochmals verschärft.

    Das Strafrecht sieht unter anderem Steinigung für Ehebruch und homosexuelle Handlungen sowie Amputationen für Diebstahl vor. Nach weltweiten Protesten und Boykottaufrufen gegen Hotels der Herrscherfamilie erklärte der Sultan, dass das seit Jahrzehnten geltende Moratorium für die Todesstrafe auch für die meisten Scharia-Urteile gelte.

    Seit 1957 wurde in Brunei niemand mehr hingerichtet. Trotz der internationalen Kritik an seinem autoritären System ist der Sultan im Ausland weiterhin ein häufig und zumeist gern gesehener Gast. Im Mai besuchte er auf Einladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Berlin.

    Zusammenfassung: Bruneis politisches System und das islamische Strafrecht stehen international in der Kritik. Gleichzeitig pflegt der Sultan weiterhin Kontakte zu ausländischen Regierungen und wird bei Auslandsbesuchen protokollarisch empfangen.

    Zwischen Absolutismus und Staatskapitalismus

    Hassanal Bolkiah hat zwölf Kinder aus drei Ehen und gilt als dienstältester Herrscher der Welt. Für viele Beobachter im Westen bleibt er eine schwer einzuordnende Figur, die zwischen mittelalterlich anmutendem Absolutismus und modernem Staatskapitalismus schwankt.

    Seine politische Macht ist umfassend konzentriert. Neben dem Sultanat führt er zentrale Regierungsressorts selbst und bestimmt die Gesetzgebung auf Grundlage des Ausnahmezustands. Die Verbindung aus Rohstoffreichtum, umfangreichen Sozialleistungen und fehlenden demokratischen Strukturen prägt das Bild Bruneis.

    „Seine Majestät der Sultan kann weder in seiner persönlichen noch in seiner offiziellen Funktion etwas Falsches tun“

    Infobox: Der Sultan vereint das Amt des Staatsoberhaupts mit mehreren zentralen Regierungsfunktionen. Der hohe Lebensstandard trägt zur Akzeptanz des Systems bei, während politische Kritik streng eingeschränkt wird.

    Endliche Öl- und Gasvorräte

    Bruneis wirtschaftliche Grundlage ist nicht unbegrenzt gesichert. Die Öl- und Gasvorräte des Landes sind endlich und dürften nur noch einige Jahrzehnte reichen.

    Mit „Wawasan Brunei 2035“, auf Deutsch etwa „Vision für Brunei 2035“, verfolgt der Sultan deshalb eine Zukunftsstrategie. Der Kleinstaat soll wirtschaftlich breiter aufgestellt und auf die Zeit nach dem Ölzeitalter vorbereitet werden.

    Zusammenfassung: Brunei muss sich auf eine Zukunft mit abnehmender Bedeutung von Öl und Gas einstellen. Die Strategie „Wawasan Brunei 2035“ soll die wirtschaftliche Diversifizierung des Landes vorantreiben.

    US-Superreiche sichern sich zweite Staatsbürgerschaft

    Angesichts einer möglichen Vermögenssteuer in Kalifornien suchen immer mehr Superreiche in den USA nach einer zweiten Staatsbürgerschaft oder einem Aufenthaltstitel im Ausland. Darüber berichtet Business Insider Deutschland.

    Kaliforniens Wähler stimmen im November über eine Maßnahme ab, die eine einmalige fünfprozentige Steuer auf das Vermögen der mehr als 200 Milliardäre des Bundesstaates vorsieht. Google-Mitgründer Sergey Brin und Larry Page haben laut dem Bericht bereits Vermögenswerte aus Kalifornien verlagert, während andere wohlhabende Kalifornier in Bundesstaaten wie Florida gezogen sind, die keine Einkommensteuer erheben.

    Der scheidende Gouverneur Gavin Newsom lehnt die Maßnahme ab. Er argumentiert, Steuern auf extremen Reichtum sollten besser auf Bundesebene geregelt werden, weil Milliardäre zwischen den Bundesstaaten wechseln könnten, um die Abgabe zu umgehen. Ein von Senator Bernie Sanders und Abgeordnetem Ro Khanna vorgeschlagenes Bundesgesetz zur Milliardärssteuer dürfte in absehbarer Zeit jedoch kaum verabschiedet werden.

    Die Beratungsfirma Henley & Partners verzeichnete zwischen dem ersten Quartal 2024 und 2025 einen Anstieg der Anfragen von US-Bürgern um 183 Prozent. Berater der Superreichen beschreiben den zweiten oder dritten Pass als eine Art Versicherung gegen mögliche steuerliche oder politische Veränderungen.

    „Würdet ihr da nicht ein bisschen Zeit, Mühe und Geld investieren, um eine Feuerversicherung und einen Fluchtplan zu haben, in der Hoffnung, sie nie zu brauchen?“

    Dieses Bild verwendet David Lesperance, ein Anwalt für Steuer- und Staatsbürgerschaftsfragen, um die Vorbereitung auf mögliche Vermögenssteuern zu beschreiben. Viele Kunden planten demnach nicht zwingend eine tatsächliche Auswanderung, sondern wollten lediglich zusätzliche Optionen schaffen.

    Staatsbürgerschaft durch Abstammung

    Eine Möglichkeit ist die Staatsbürgerschaft durch Abstammung. Sie kann beantragt werden, wenn Eltern oder Großeltern die entsprechende Nationalität besitzen. Als Beispiel wird ein Amerikaner genannt, dessen Großmutter aus Irland eingewandert ist und der dadurch die irische Staatsbürgerschaft beantragen kann.

    Über 50 Länder weltweit bieten eine Staatsbürgerschaft aufgrund von Abstammung an. Dazu zählen Griechenland, Polen, Italien und Deutschland; die jeweiligen Regeln und Grenzen unterscheiden sich.

    Besonders attraktiv ist laut dem Bericht eine durch Abstammung erworbene Staatsbürgerschaft in einem EU-Land, weil damit ein Leben in 27 verschiedenen Ländern möglich sei. Der Prozess kann jedoch Jahre dauern, weshalb manche Kunden zusätzlich schnellere Optionen prüfen.

    • Über 50 Länder bieten Staatsbürgerschaften durch Abstammung an.
    • Genannt werden unter anderem Griechenland, Polen, Italien und Deutschland.
    • Eine EU-Staatsbürgerschaft kann das Leben in 27 verschiedenen Ländern ermöglichen.
    • Das Verfahren kann Jahre dauern.

    Infobox: Die Abstammung eröffnet auch außerhalb der Gruppe der Superreichen einen möglichen Weg zu einer weiteren Staatsbürgerschaft. Für vermögende Kunden ist die lange Bearbeitungszeit jedoch ein Grund, parallel andere Optionen zu verfolgen.

    „Goldene Pässe“ und „goldene Visa“

    Als zweite Möglichkeit nennt Business Insider Deutschland Staatsbürgerschaften oder Aufenthaltstitel durch Investitionen. Bei sogenannten „goldenen Pässen“ wird eine Staatsbürgerschaft im Austausch für eine Investition gewährt; bei „goldenen Visa“ geht es um einen Aufenthaltstitel.

    Die Investitionssummen und Regeln unterscheiden sich je nach Zielland und reichen von wenigen Tausend bis zu mehreren Millionen Euro. Dominic Jones von Greener Pastures New Zealand sagt, weltweit würden jährlich mehr als 120.000 Investitions-Staatsbürgerschaften oder -Visa ausgestellt, Tendenz steigend.

    Neuseelands goldenes Visum erfordert eine Investition von rund 2,6 Millionen Euro. Mehrere karibische Staaten bieten eine Staatsbürgerschaft dem Bericht zufolge bereits gegen Investitionen von bis zu 220.000 Euro an.

    ProgrammAngabe
    Investitions-Staatsbürgerschaften oder -Visa weltweit pro Jahrmehr als 120.000
    Neuseelands goldenes Visumrund 2,6 Millionen Euro
    Karibische Staatenbis zu 220.000 Euro

    Seit Neuseeland im vergangenen Jahr die Regeln für sein goldenes Visum gelockert hat, verzeichnet das Land einen deutlichen Anstieg der Anträge von US-Amerikanern. Einige Kunden beantragen laut Lesperance zunächst eine Investitions-Staatsbürgerschaft und warten parallel auf eine Staatsbürgerschaft durch Abstammung.

    Der zweite Pass wird dabei nicht immer für einen Umzug benötigt. Viele Superreiche verwalten bereits Vermögenswerte, Unternehmen und Investitionen über mehrere Rechtsräume hinweg. Eine zusätzliche Staatsbürgerschaft dient ihnen als weitere Form der Diversifizierung und als Rückfalloption für den Fall, dass die USA teurer oder instabiler werden sollten.

    „Sie managen ihre Investitionen und achten auf Dinge wie Risiko“

    Jones beschreibt die Strategie als Vermeidung einer Konzentration auf nur einen Standort. Der Zweitpass sei für manche Kunden eine Absicherung, auch wenn sie ihn letztlich möglicherweise nie nutzen.

    Zusammenfassung: Die Nachfrage nach zweiten Staatsbürgerschaften und Aufenthaltstiteln steigt laut Business Insider Deutschland. Neben Abstammungsrechten nutzen vermögende US-Amerikaner Investitionsprogramme, um steuerliche, politische und wirtschaftliche Risiken breiter zu verteilen.

    Quellen:

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    Beim Lesen bleibt bei mir vor allem dieser extreme Kontrast hängen: Auf der einen Seite kostenlose Bildung und Gesundheitsversorgung, keine Steuern und offenbar ein für viele Menschen recht komfortables Leben. Auf der anderen Seite ein Herrscher, der praktisch alle wichtigen Ämter selbst kontrolliert und per Dekret regiert. Das zeigt mal wieder, dass ein hoher Lebensstandard nicht automatisch Freiheit oder Mitbestimmung bedeutet.

    Was mich besonders irritiert, ist dieses Verfassungszitat, wonach der Sultan in keiner Funktion etwas Falsches tun könne. Das ist ja nicht nur symbolisch, sondern macht Kritik im Grunde von vornherein unmöglich. Solange Öl und Gas Geld bringen und der Staat großzügig verteilt, akzeptieren viele Bürger dieses System vermutlich tatsächlich. Aber was passiert, wenn die Einnahmen sinken oder die junge Generation mehr politische Beteiligung verlangt?

    Die 7.000 Autos und der Palast mit fast 1.800 Zimmern wirken dagegen fast schon wie eine Karikatur. Natürlich kann jeder mit seinem Geld machen, was er will, aber bei solchen Summen fragt man sich schon, ob dieser Luxus noch irgendeinen praktischen Sinn hat. Eine Rennstrecke auf dem eigenen Palastgelände klingt jedenfalls eher nach einem Bond-Bösewicht als nach einem modernen Staatsoberhaupt.

    Interessant fand ich auch den zweiten Teil über die Superreichen und ihre Ersatzpässe. Das passt erstaunlich gut zum Brunei-Thema: Wer genug Geld hat, schafft sich zusätzliche Optionen und kann sich notfalls aus einem System zurückziehen. Für normale Menschen ist der Pass dagegen keine Versicherung, sondern einfach die einzige Staatsangehörigkeit, die sie besitzen. Dass manche Millionäre mehrere Länder und Rechtsräume wie verschiedene Depots behandeln, sagt einiges über die wachsende Ungleichheit aus.

    Gleichzeitig sollte man bei den Angaben zu Vermögen, Autos und möglichen Strafen vielleicht immer im Hinterkopf behalten, dass solche Zahlen teilweise Schätzungen sind und sich internationale Berichte gern auf die spektakulärsten Details konzentrieren. Die Kritik am autoritären System wird dadurch aber nicht weniger berechtigt. Reichtum kann ein Land stabil halten, zumindest solange die Verteilung funktioniert. Eine echte Antwort auf die Zukunft nach dem Öl ist das allein trotzdem nicht.

    Am Ende bleibt für mich ein Staat, der nach außen modern und wohlhabend wirkt, politisch aber in einer völlig anderen Zeit stehen geblieben ist. Ein paar schöne Paläste und eine beeindruckende Parade ersetzen eben keine unabhängigen Gerichte, freie Medien und echte Wahlen. Und genau diese Dinge werden vermutlich spätestens dann wichtiger, wenn das Öl nicht mehr alle Probleme bezahlt.
    Was mir noch fehlt ist die Frage, wie viel von dieser angeblichen beliebtheit eigentlich wirklich gemessen wird und wie viel davon einfach nur daraus entsteht das es keine freie Presse und keine offenen Wahlen gibt. Wenn überall bilder vom Sultan hängen und die Bürger bei seiner Rundreise Briefe abgeben dürfen sieht das natürlich nach nähe zum Volk aus, aber man kann ja schlecht wissen ob jemand auch einen kritischen Brief schreiben würde wenn die Folgen nicht ganz klar sind. Ein Foto bei einer Parade ist halt noch lange keine politische Zustimmung, auch wenn es im Fernsehen bestimmt sehr feierlich wirkt.

    Und bei der Vision 2035 bin ich auch etwas skeptisch. Wirtschaft diversifizieren klingt immer gut, aber das ist leichter gesagt als getan wenn ein Land über Jahrzehnte fast komplett von Öl und Gas profitiert hat. Irgendwann muss es ja Firmen, Fachkräfte und Ideen geben die nicht direkt vom Staat oder vom Rohstoffgeld abhängen. Kostenlose Bildung kann dafür eine gute Grundlage sein, nur braucht man dann auch genug Freiheit für neue Unternehmen und Leute die mal etwas anderes ausprobieren wollen. Wenn jede wichtige Entscheidung oben getroffen wird, ist das vielleicht nicht gerade der beste Boden für Kreativität, obwohl ich mich da natürlich nicht besonders auskenne.

    Spannend finde ich auch den Unterschied zwischen einem goldenen Visum und einem goldenen Pass, weil das im Alltag wahrscheinlich oft durcheinander geworfen wird. Ein Aufenthaltstitel bedeutet ja nicht automatisch das man Bürger dieses Landes ist und wählen darf oder dauerhaft bleiben kann. Bei so hohen Summen wirkt das ganze trotzdem ziemlich schräg. Für 220.000 Euro bekommt jemand in der Karibik möglicherweise einen Pass, während andere Menschen jahrelang Formulare ausfüllen, Sprachtests machen und trotzdem nicht wissen ob ihr Antrag bewilligt wird. Staatsbürgerschaft wird dadurch irgendwie zu einem Produkt, das nicht jeder im selben Laden kaufen kann.

    Auch die Zahl von angeblich über 120.000 Investitionspässen und Visa pro Jahr würde ich gerne genauer aufgeschlüsselt sehen. Sind das wirklich nur neue Staatsbürgerschaften oder werden da alle möglichen Aufenthaltserlaubnisse mitgezählt? Solche großen Zahlen hören sich erstmal gewaltig an, sagen aber ohne Vergleich und genaue Definition nicht ganz so viel. Bei den Anfragen aus den USA ist es ähnlich. Eine Anfrage heißt ja noch lange nicht, dass jemand tatsächlich einen zweiten Pass beantragt oder sein ganzes Leben umzieht. Vielleicht wollen viele einfach nur wissen was möglich wäre, so wie man sich auch über eine Versicherung informiert ohne gleich einen Unfall zu planen.

    Trotzdem zeigt dieser Trend etwas wichtiges. Sehr reiche Menschen können politische Risiken anders behandeln als normale Bürger. Wenn ihnen ein Gesetz nicht gefällt, können sie Geld verschieben, eine Firma in ein anderes Land setzen oder eben einen zweiten Wohnort und Pass besorgen. Für Menschen mit normalem Einkommen ist ein Umzug schon wegen Miete, Arbeit, Schule und Familie ein riesiger Kraftakt. Der Begriff Diversifizierung klingt dabei fast harmlos, obwohl es in Wirklichkeit bedeutet dass manche Leute mehrere Auswege haben und andere gar keinen.

    Bei der Abstammung ist es ausserdem interessant, dass alte Familiengeschichten plötzlich einen ganz konkreten Wert bekommen. Eine Großmutter aus Irland kann dann nicht nur eine Erinnerung aus dem Familienalbum sein sondern eventuell der Zugang zur EU. Gleichzeitig stelle ich mir die Frage ob solche Regeln wirklich noch fair sind, wenn jemand seit Generationen nicht mehr in dem Land lebt und kaum etwas mit der Sprache oder Kultur zu tun hat. Rechtlich kann das natürlich trotzdem gelten, aber emotional ist es schon ein komischer Gedanke. Die einen bekommen Möglichkeiten durch ihre Vorfahren, die anderen durch ihr Geld, und wieder andere haben einfach Pech bei der Geburtslotterie.

    Was ich am Artikel insgesamt etwas vermisse ist eine genauere Stimme von Menschen aus Brunei selbst, besonders von jüngeren Leuten. Akzeptieren sie die Monarchie wirklich aus Überzeugung oder eher weil es keine realistische Alternative gibt? Und wie denken Menschen darüber, die nicht religiös leben wollen oder die von den Scharia Regeln betroffen sein könnten? Wenn man nur über Paläste, Autos und Staatsbesuche berichtet, bleibt die Bevölkerung irgendwie eine Kulisse. Gerade bei einem Land mit nur ungefähr 450.000 Einwohnern müsste es doch möglich sein, solche persönlichen Perspektiven einzufangen.

    Der Besuch in Berlin zeigt auch diesen seltsamen Gegensatz. International wird ein Herrscher höflich empfangen, obwohl sein System zuhause grundlegende Freiheiten einschränkt. Diplomatie funktioniert wahrscheinlich so, weil Staaten miteinander reden und wirtschaftliche Beziehungen wichtig sind. Aber protokollarischer Empfang wirkt schnell wie Anerkennung von allem was eine Regierung tut. Vielleicht müsste man bei solchen Besuchen deutlicher sagen, welche Menschenrechte man kritisiert, statt nur rote Teppiche auszurollen und danach wieder über die schönen Autos zu staunen.

    Am Ende bleibt für mich die Frage, ob Wohlstand wirklich stabiler ist als Freiheit. Solange genug Geld da ist und der Staat Leistungen bezahlt, kann ein autoritäres System ruhiger aussehen als viele Demokratien. Aber wenn die Einnahmen sinken, wird sich zeigen ob die Zustimmung auch ohne die großzügigen Vorteile bleibt. Dann kann man Unzufriedenheit nicht einfach mit neuen Subventionen zudecken. Und ein zweiter Pass hilft einem Sultan oder Milliardär natürlich schneller bei der Flucht als einem normalen Bürger, der vielleicht nichtmal genug Geld für ein Flugticket hat.

    Zusammenfassung des Artikels

    Sultan Hassanal Bolkiah feiert 80 Jahre als autoritärer, enorm reicher Herrscher Bruneis, dessen Macht und Luxus international ebenso kritisiert werden wie das Scharia-Strafrecht.

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