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    Überreichtum, Macht und Gerechtigkeit: Wie Vermögen Ungleichheit verstärkt

    Symbolbild – ganz oder teilweise KI-generiert
    24.07.2026 44 mal gelesen 2 Kommentare

    Überreichtum, Macht und die Frage nach Gerechtigkeit

    Die taz beschäftigt sich in der Kolumne „Reichtum und Verbrechen: Diebe machen Gelegenheiten“ mit dem Unterschied zwischen kleinen Diebstählen und wirtschaftlicher Bereicherung im großen Maßstab. Während kleine Diebstähle häufig aus Not heraus entstünden und Polizei, Urteil sowie Strafe nach sich zögen, werde der „große Diebstahl“ meist nicht einmal als solcher bezeichnet und sei teilweise sogar legal.

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    Als Beispiel nennt der Beitrag Großinvestoren, die bezahlbaren Wohnraum entziehen könnten. Die Autorin Leila van Rinsum beschreibt Reichtum als Möglichkeit, Regeln zu gestalten oder zu umgehen, und stellt die Frage, wie Systeme extremer Ungleichheit funktionieren.

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    Im Mittelpunkt steht außerdem die Aufarbeitung der Panama Papers. Im April 2016 berichteten mehr als Hundert Medienhäuser zeitgleich über die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca in Panama, die Überreichen dabei geholfen hatte, Geld in Offshore-Firmen am Staatsfiskus vorbeizuschleusen. Der Whistleblower „Don Joe“ habe 2,6 Terabyte interne Daten veröffentlicht und dies in einem Manifest mit dem Protest gegen die wachsende Ungleichheit begründet.

    Die Enthüllungen führten laut taz zu Ermittlungen und politischer Empörung. Der damalige isländische Ministerpräsident Sigmundur Davíð Gunnlaugsson trat zurück, kehrte jedoch ein Jahr später als Abgeordneter seiner neu gegründeten Partei ins Parlament zurück. Der pakistanische Premier Nawaz Sharif wurde 2017 wegen Korruption zu 10 Jahren Haft und einer Millionenstrafe verurteilt, verbrachte aber weniger als 1 Jahr im Gefängnis und ist seit 2 Jahren wieder Premier von Pakistan.

    Auch die beiden Geschäftsführer von Mossack Fonseca wurden nach 8 Jahren Prozess in Panama City freigesprochen. Der deutsche Miteigentümer Christoph Z. wurde dem Bericht zufolge 10 Jahre später am Landgericht Köln zu 3 Jahren Bewährung und 100.000 Euro Strafe verurteilt, nachdem er geholfen haben soll, den deutschen Staat um 13 Millionen Euro zu betrügen.

    Deutsche Behörden trieben laut taz durch Nachforderungen und Strafgelder etwa 160 Millionen Euro ein. Der Beitrag stellt dies dem Umstand gegenüber, dass in Deutschland Menschen im Gefängnis sitzen, weil sie die Strafe für das Fahren ohne Ticket nicht bezahlt haben, während Steuerbetrug in Millionenhöhe teilweise als Kavaliersdelikt behandelt werde.

    „Mag sein, dass Gelegenheit Diebe macht – die großen Diebe aber machen sich ihre Gelegenheiten selbst.“

    Zusammenfassung: Die taz beschreibt extreme Vermögen als Machtinstrument, das gesetzliche und politische Spielräume eröffnen kann. Die Panama Papers hätten zwar politische Konsequenzen und finanzielle Nachforderungen ausgelöst, das Ergebnis fällt laut Beitrag jedoch ernüchternd aus.

    Ö1 diskutiert das Verhältnis von Reichtum, Demokratie und Gerechtigkeit

    Ö1 widmete die Sendung „Punkt eins“ am 24. Juli 2026 dem Thema „Gerechtigkeit und Überreichtum“. Unter der Moderation von Andreas Obrecht diskutierten Karin Heitzmann, Leiterin des Forschungsinstituts Economics of Inequality an der Wirtschaftsuniversität Wien, und Stephan Pühringer, Leiter des Socio-Ecological Transformation Labs am Institute for Transformative Change der Johannes Kepler Universität Linz.

    Der Beitrag stellt die Debatte in einen historischen Zusammenhang und verweist auf Platon, der bereits im Jahre 375 v. Chr. über das Verhältnis von Staat, Reichtum, Macht und Gerechtigkeit nachgedacht habe. In seinem Werk „Politeia“ erkenne Platon, dass übermäßiger Reichtum dem Staat widerspreche, der auf Gerechtigkeit bedacht sein müsse. Mit wachsendem sozialem oder politischem Status solle Privateigentum in seinem theoretischen Philosophenstaat eine geringere Rolle spielen.

    Für die aktuelle Diskussion nennt Ö1 Elon Musk als Beispiel. Obwohl die Aktien zwischenzeitlich wieder stark im Wert gefallen seien, sei Musk mit dem Börsengang von SpaceX erstmals Billionär geworden. Der mit großem Abstand reichste Mensch der Welt habe sich nicht nur als Adlatus von Donald Trump betätigt, sondern sich auch auf Seiten der AfD in den deutschen Wahlkampf eingemischt. Analysten sähen darin eine bedenkliche, demokratiefeindliche Entwicklung.

    Für Österreich verweist die Sendung auf eine aktuelle Studie. Der reichste in Österreich verortete Haushalt verfüge über so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Laut Oxfam besäßen 1,5 % der Weltbevölkerung fast die Hälfte des gesamten globalen Vermögens.

    Die Studie untersucht rund 60 reichste Haushalte sowie deren institutionelle und personelle Netzwerke. Überreichtum werde dabei als gesellschaftliche und systemische Entwicklung verstanden, die durch ökonomische und rechtliche Rahmenbedingungen eher gefördert als eingeschränkt werde.

    Bei der Verwaltung und Mehrung von Vermögen spielten komplizierte, ineinander verschachtelte Firmenimperien und Privatstiftungen eine wichtige Rolle. Fast die Hälfte der rund 3000 in Österreich registrierten Privatstiftungen komme in den Netzwerken der 60 untersuchten Superreichen vor.

    Auch Immobilieninvestitionen seien ein wesentlicher Bestandteil der Vermögenskonzentration. Für ein einzelnes Projekt würden häufig 5-10 Gesellschaften mit beschränkter Haftung gegründet, um das Risiko zu minimieren. Juristen, Treuhänder und Anwälte träten als zentrale Akteure auf; in der Studie fänden sich mehrere Personen, die Positionen in mehr als 100 Unternehmen innehätten.

    Ö1 verbindet diese Befunde mit Fragen nach der politischen Gestaltung von Überreichtum. Diskutiert werden unter anderem die Begrenzung von Reichtum im Kapitalismus, der Zusammenhang von Armut und ausuferndem Reichtum, die Funktion der GmbH sowie das Ausmaß sozialer und ökonomischer Ungleichheit, das für die Stabilität einer modernen Gesellschaft erforderlich sei.

    Zusammenfassung: Ö1 stellt Überreichtum als systemisches Phänomen dar, das durch Unternehmensnetzwerke, Privatstiftungen und rechtliche Strukturen begünstigt werde. Im Zentrum steht die Frage, welche Folgen die Vermögenskonzentration für Demokratie, Wohlfahrtsstaat und gesellschaftliche Gerechtigkeit hat.

    Britische Millionäre fordern eine Abgabe auf extreme Vermögen

    Die Frankfurter Rundschau berichtet über einen offenen Brief britischer Millionäre an den neuen Premierminister Andy Burnham. Der ehemalige Fußballspieler und TV-Moderator Gary Lineker unterzeichnete den Appell gemeinsam mit über 100 britischen Millionären. Zu den weiteren Unterzeichnern gehören laut Bericht der Regisseur Richard Curtis und die Autorin Val McDermid.

    Die zentrale Forderung der Gruppe „Patriotic Millionaires UK“ lautet: „Besteuert uns. Wir können es uns leisten.“ Die Initiative verlangt eine gezielte Abgabe auf extreme Vermögen, um Entlastungspakete und Maßnahmen gegen die Lebenshaltungskostenkrise zu finanzieren.

    Nach Vorstellung der Gruppe soll die Belastung nicht von der arbeitenden Bevölkerung getragen werden. Stattdessen sollen Personen stärker herangezogen werden, deren Einkommen primär aus bestehendem Vermögen resultiert.

    Konkret schlägt die Initiative eine Vermögensteuer von zwei Prozent auf Privatvermögen über 10 Millionen Pfund vor. Nach den Schätzungen der Gruppe könnten dadurch jährlich rund 24 Milliarden Pfund an Steuereinnahmen entstehen. Weitere 12 Milliarden Pfund ließen sich demnach durch eine Angleichung der Kapitalertragsteuer an die Einkommensteuer erzielen.

    Der Brief wurde zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, an dem Premierminister Burnham erste Entlastungsmaßnahmen angekündigt hatte. Dazu zählen ein Preisdeckel von zwei Pfund für Busfahrten sowie Steuersenkungen auf Stromrechnungen im Umfang von 850 Millionen Pfund.

    Die Finanzierung dieser Maßnahmen wird laut Frankfurter Rundschau parteiübergreifend diskutiert. Burnham deutete in einem Interview mit Lineker an, er werde bei der Steuerpolitik möglicherweise „etwas mehr verlangen“, konkretisierte seine Pläne für eine Vermögensteuer jedoch nicht.

    Der Bericht verweist außerdem auf die Initiative „taxmenow“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Als bekannte Vertreterin wird die BASF-Erbin Marlene Engelhorn genannt, die sich für eine stärkere Besteuerung leistungsloser Einkommen und hoher Erbschaften einsetzt.

    In Deutschland ist die Vermögensteuer nach Angaben der Frankfurter Rundschau im Grundgesetz verankert, wird jedoch seit 1997 nicht mehr erhoben. Anlass war ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die ungleiche Bewertung von Immobilien und Geldvermögen beanstandete. Die Politik setzte die Steuer daraufhin aus, anstatt sie zu reformieren.

    SPD, Grüne und Linke fordern eine Wiedereinführung der Vermögensteuer oder eine strengere Erbschaftsteuer. Union, FDP und Wirtschaftsverbände lehnen diese Forderungen ab und argumentieren, eine solche Steuer könne die Substanz von Familienunternehmen und des Mittelstands belasten sowie Investitionen gefährden.

    Zusammenfassung: Über 100 britische Millionäre fordern eine Vermögensteuer von zwei Prozent auf Privatvermögen über 10 Millionen Pfund. Die Debatte wird mit Entlastungsmaßnahmen in Großbritannien sowie mit der seit 1997 ausgesetzten Vermögensteuer in Deutschland verknüpft.

    Ein Millionär beschreibt Gesundheit als den wahren Reichtum

    Business Insider Deutschland veröffentlicht den Erfahrungsbericht von Brandon Card. Card arbeitete bei Microsoft, Oracle und IBM und wurde durch Investitionen in riskante Start-ups bereits mit 25 Jahren Millionär. Heute ist er 38 Jahre alt und nutzt sein Vermögen nach eigenen Angaben vor allem für die mentale und körperliche Gesundheit.

    In seinen 20ern arbeitete Card in klassischen Unternehmensrollen und verdiente laut Bericht 200.000 Dollar pro Jahr. Er konnte komfortabel leben und hatte trotzdem noch einen sechsstelligen Betrag zum Investieren übrig. Als Business Angel investierte er in Start-ups in frühen Phasen, wobei viele scheiterten und einige erfolgreich waren.

    Sein Vermögen empfand Card zunächst nicht als außergewöhnlich. Einige seiner Kollegen lebten in Häusern im Wert von 20 Millionen Dollar, während er mit einer Million Dollar nicht einmal ein kleines Haus hätte kaufen können. Teure Anschaffungen wie Autos, zwei Häuser und ein Boot machten ihn nach eigener Darstellung nicht glücklicher.

    Mehr Befriedigung habe ihm die Investition in Unternehmer gegeben. Er habe die Möglichkeit gehabt, das Leben anderer Menschen zu verändern, indem er ihre Ideen unterstützte. Heute besitze er kein Auto und habe erst vor Kurzem wieder ein Haus gekauft; auffällige Luxusgüter stünden nicht im Mittelpunkt seiner Ausgaben.

    Im Jahr 2020 gründete Card gemeinsam mit seinem besten Freund und ehemaligen College-Football-Teamkollegen das Unternehmen Terzo. Er investierte eine Million Dollar seines eigenen Geldes in die KI-Plattform, mit der Unternehmen ihre Ausgaben bei Drittanbietern erfassen können.

    Kurz nach dem Start des Unternehmens begann die Pandemie. Gleichzeitig verlor Card seine Großmutter und einen Cousin, der noch ein Kind war. Aus Sorge um seine Eltern und seine Familie zog er in den Norden des Bundesstaates New York. Die Erfahrungen bestätigten für ihn, dass Geld zwar ein Werkzeug sei, mit dem man anderen helfen könne, aber keine Sicherheit garantiere.

    „Gesundheit ist der wahre Reichtum.“

    Terzo entwickelte sich nach dem schwierigen Start weiter. Im Jahr 2022 sammelte das Unternehmen in einer Serie-A-Finanzierungsrunde 16 Millionen Dollar ein. Im Januar 2024 starb Cards Freund und Mitgründer. Card berichtet, dieser Verlust sei der schlimmste Tag seines Lebens gewesen und habe ihn persönlich sowie beruflich zu Boden gerissen.

    Er nutzte seinen finanziellen Erfolg anschließend, um sich zu einem ausgeglicheneren Menschen zu entwickeln und das Stigma rund um mentale Gesundheit abzubauen. Card spricht offen darüber, einen Therapeuten aufzusuchen, und möchte künftig interne Fachkräfte für mentale Gesundheit einstellen, die von allen Mitarbeitenden bei Terzo genutzt werden können.

    Sein Unternehmen sei flexibel genug, neue Ansätze auszuprobieren, und zugleich etabliert genug, um die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen. Card hofft, bei Terzo einen Standard für den Umgang mit mentaler Gesundheit zu setzen und dadurch eine Kettenreaktion bei anderen Unternehmen auszulösen.

    Zusammenfassung: Brandon Card wurde mit 25 Jahren Millionär, verbindet materiellen Reichtum jedoch nicht mit persönlichem Glück. Nach Pandemie, familiären Verlusten und dem Tod seines Mitgründers setzt er auf Gesundheit, persönliche Entwicklung und mentale Unterstützung im Unternehmen.

    Zinseszins verstärkt Vermögensunterschiede

    Die Frankfurter Rundschau erklärt anhand eines Rechenbeispiels, wie sich Vermögen bei identischer Rendite unterschiedlich entwickeln kann. Bei einer jährlichen Rendite von sieben Prozent wächst Kapital an der Börse laut Bericht stark auseinander.

    Das Beispiel vergleicht Friedrich mit einem Vermögen von zehn Millionen Euro und Arno mit 10.000 Euro. Investieren beide ihr Geld clever an der Börse und erzielen jedes Jahr sieben Prozent Rendite, wächst Friedrichs Vermögen in den ersten 10 Jahren um mehr als 9,6 Millionen Euro.

    Arno erhält im selben Zeitraum lediglich 9.672 Euro. Nach 50 Jahren ist Friedrichs Vermögen dem Beispiel zufolge um 284 Millionen Euro angewachsen, während Arnos Vermögen um 284.570 Euro zunimmt.

    Ausgangskapital Zeitraum Rendite Vermögenszuwachs
    10.000 Euro 50 Jahre 7 Prozent pro Jahr 284.570 Euro
    zehn Millionen Euro 50 Jahre 7 Prozent pro Jahr 284 Millionen Euro

    Der Vermögensunterschied wächst dadurch von knapp zehn Millionen auf mehr als 294 Millionen Euro, obwohl beide Personen dieselben Anlageentscheidungen treffen. Die Frankfurter Rundschau beschreibt Reichtum deshalb als Schneeball, an dem mit zunehmender Größe immer mehr haften bleibt.

    Zum Vergleich nennt der Bericht die durchschnittliche jährliche Rendite des globalen Aktienmarkts, die laut den bekanntesten Indizes in diesem Jahrhundert rund acht bis neun Prozent betragen habe. Das konkrete Rechenbeispiel basiert jedoch auf sieben Prozent Rendite pro Jahr.

    Zusammenfassung: Das Beispiel zeigt, dass derselbe prozentuale Ertrag bei großem Ausgangsvermögen zu erheblich höheren absoluten Zuwächsen führt. Aus 10.000 Euro werden bei sieben Prozent Rendite in 50 Jahren 284.570 Euro, aus zehn Millionen Euro wachsen mehr als 294 Millionen Euro.

    Quellen:

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    Spannend, aber bei Musk als „Billionär“ und der Sache mit Nawaz Sharif bin ich raus, da wirkt einiges zeitlich oder übersetzt ziemlich durcheinander und genau solche Fehler machen die eigentliche Kritik an ungleicher Macht leider unglaubwürdig.
    Ich finde mehrere Kommentare zur inhaltlichen Kritik an Musk und Nawaz Sharif schon ganz treffend, deshalb will ich eher auf den Teil mit den britischen Millionären, Brandon Card und dem Zinseszins eingehen. Dass Millionäre selber sagen „besteuert uns“ klingt erstmal fast wie ein Witz, aber irgendwie auch logisch. Wenn jemand über 10 Millionen Pfund besitzt, tun zwei Prozent davon vermutlich weniger weh als einer normalen Familie eine kaputte Heizung oder eine hohe Miete. Wobei ich mich schon frage, wie genau man das Vermögen jedes Jahr berechnen will, besonders bei Firmenanteilen, Häusern und irgendwelchen Beteiligungen die keiner mehr richtig durchsieht.

    Der Einwand mit den Familienunternehmen kommt ja immer sofort, aber ein Familienbetrieb mit einer Bäckerei ist wohl nicht ganz das selbe wie ein riesiges Firmengeflecht mit Stiftungen und zehn Briefkastenfirmen. Da wird in der Debatte leider oft alles in einen Topf geworfen, damit am Ende keiner mehr weis, worüber eigentlich geredet wird. Ein Mittelständler der Arbeitsplätze schafft ist nicht automatisch gleich ein globaler Erbe der sein Geld in Immobilien stapelt und dann die Mieten erhöht. Andererseits kann eine Steuer auch falsch gemacht werden und dann trifft sie am Ende wirklich die falschen, deswegen müsste man da schon genauer hinschauen und nicht nur plakativ „Reiche wegnehmen“ rufen.

    Die Geschichte von Brandon Card fand ich persönlich etwas rührend, aber auch ein bischen zu glatt erzählt. Gesundheit ist natürlich wichtiger als ein Auto oder ein Boot, das wird wohl jeder unterschreiben. Nur kann man mentale Gesundheit und Therapie halt auch leichter empfehlen wenn man eine Million Dollar in eine Firma stecken kann und im Notfall nicht überlegen muss ob die nächste Rechnung bezahlt wird. Geld macht nicht automatisch glücklich, aber kein Geld macht viele Probleme ganz sicher schlimmer. Das wird in solchen Erfolgsgeschichten manchmal so dargestellt als könne man sich einfach die richtige Einstellung kaufen, und dann ist alles im Gleichgewicht. So läuft es bei den meisten Menschen leider nicht.

    Trotzdem ist der Punkt mit seiner Firma und psychischer Gesundheit nicht unwichtig. Gerade in Unternehmen wird immer von Teamgeist und Leistung geredet, aber wenn jemand wirklich erschöpft ist heißt es dann oft plötzlich, er soll sich zusammenreißen. Ein Therapeut im Betrieb kann helfen, aber es darf natürlich nicht dazu führen das Mitarbeiter Angst haben müssen, dass ihre Gespräche beim Chef landen. Sonst ist das ganze eher Wellness fürs Image als echte Hilfe. Da fehlt im Artikel meiner Meinung nach ein bischen die kritische Nachfrage.

    Das Rechenbeispiel mit den 10.000 Euro und den zehn Millionen ist dafür sehr verständlich. Prozentual bekommen beide das gleiche, aber absolut ist das Ergebnis komplett verrückt unterschiedlich. Genau da wird immer gesagt „jeder kann investieren“, als wäre das Problem damit erledigt. Klar, heute kann man mit kleinen Beträgen einen ETF kaufen, aber jemand mit 10.000 Euro muss vielleicht auch mal eine Waschmaschine ersetzen, eine Zahnarztrechnung bezahlen oder hat irgendwann Arbeitslosigkeit. Der Millionär kann die Rendite einfach liegen lassen und weiter wachsen lassen. Das ist nicht nur eine Frage von klugen Anlageentscheidungen sondern auch von Sicherheit und Zeit.

    Allerdings stimmt die Rechnung nur wenn die sieben Prozent jedes Jahr wirklich so kommen, was an der Börse ja keineswegs garantiert ist. Es gibt Krisen, Inflation, Steuern und Gebühren, und manchmal verliert man auch Geld wenn man zum falschen Zeitpunkt verkaufen muss. Trotzdem bleibt die Grundaussage bestehen: Wer schon sehr viel hat, kann Verluste eher aussitzen und hat mehr Möglichkeiten sein Geld zu verteilen. Der Zinseszins ist dann fast wie ein Verstärker für den Vorsprung. Bei kleinen Vermögen ist der Zinseszins eher ein langsamer Hamster, bei großen Vermögen fährt er vermutlich Porsche.

    Was mir bei allen Beispielen fehlt, ist die Frage was eigentlich als genug gelten soll. Niemand muss exakt gleich viel besitzen, das wäre auch unrealistisch und vielleicht gar nicht gerecht. Aber wenn einzelne Personen durch ihr Vermögen Medien, Parteien, Wohnraum oder ganze politische Entscheidungen beeinflussen können, dann ist es nicht mehr nur private Freiheit. Dann betrifft das alle anderen mit. Reichtum ist also nicht bloss ein großer Kontostand, sondern wird ab einer gewissen Größe zu Macht. Und Macht braucht Kontrolle, sonst macht sie was sie will, meistens mit einem Anwalt daneben.

    Die Gegenpositionen sollte man trotzdem nicht einfach als böse abtun. Unternehmen brauchen Investitionen und niemand will, dass Kapital komplett aus dem Land verschwindet. Aber dieses Argument darf auch kein Freifahrtschein sein, damit jede gerechte Steuer als Angriff auf die Wirtschaft bezeichnet wird. Vielleicht wäre eine bessere Kontrolle von Stiftungen, Immobiliengesellschaften und Erbschaften wichtiger als eine pauschale Steuer auf alles. Hauptsache es passiert überhaupt mal etwas, denn seit 1997 wird bei der Vermögensteuer in Deutschland eher diskutiert als gehandelt. Das ist fast schon eine politische Tradition geworden, wie Weihnachtsansprache nur ohne Kerzen.

    Am Ende bleibt bei mir hängen, dass extreme Armut und extremer Reichtum beide keine Naturgesetze sind. Beides wird durch Regeln, Steuern, Eigentumsrechte und politische Entscheidungen mit erzeugt. Wenn die Regeln dazu führen, dass kleine Delikte hart bestraft werden, während sehr große Schäden über komplizierte Verträge verschwinden, dann verliert der Rechtsstaat irgendwann sein Ansehen. Und wenn selbst sehr reiche Leute sagen, dass sie mehr beitragen könnten, sollte man wenigstens zuhören und nicht sofort behaupten, sie wären alle neidisch auf sich selbst.

    Zusammenfassung des Artikels

    Die Beiträge zeigen, wie Überreichtum durch rechtliche Strukturen Macht und Ungleichheit verstärkt, und diskutieren Vermögensteuern als möglichen Ausweg.

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