Inhaltsverzeichnis:
Privatunternehmen statt Silicon Valley: Wie in den USA Vermögen entsteht
Der typische Weg zu Reichtum führt in den USA laut dem von Cash aufgegriffenen Buch «The Everywhere Millionaire: Who Is Really Rich in America and How They Got There» nicht über das Silicon Valley oder die Wall Street, sondern über privat geführte Unternehmen. Die Ökonomen Owen Zidar und Eric Zwick richten den Blick auf die «Main-Street-Millionäre», die sie als die eigentlichen Träger von Reichtum und Macht in Amerika beschreiben.
Im Zentrum stehen Eigentümer von Anwaltskanzleien und Beratungsfirmen, medizinischen Einrichtungen, Zahnarztpraxen, Bauunternehmen, Autohäusern, Restaurants sowie Herstellern und Vertriebsunternehmen für unterschiedlichste Produkte. Der Aufbau solcher Unternehmen kann Jahrzehnte dauern; der typische wohlhabende Eigentümer ist 62 Jahre alt.
Die Hälfte des Vermögens aus Privatunternehmen entfällt auf die Generation der Babyboomer. Nach Darstellung der Autoren ist der amerikanische Traum trotz abnehmender wirtschaftlicher Mobilität nicht tot: «Durch harte Arbeit lässt sich nach wie vor aus wenig viel machen.»
- Der typische Weg zu Reichtum führt über privat geführte Unternehmen.
- Zu den wohlhabenden Eigentümern zählen unter anderem Unternehmer aus dem Gesundheitswesen, dem Bau, dem Handel und der Gastronomie.
- Der typische wohlhabende Eigentümer ist 62 Jahre alt.
- Die Hälfte des Vermögens aus Privatunternehmen entfällt auf die Generation der Babyboomer.
Zusammenfassung: Der Beitrag stellt den Unternehmer des amerikanischen Mittelstands als zentrale Figur des Vermögensaufbaus dar. Reichtum entsteht demnach häufig über langfristig aufgebaute private Unternehmen und nicht nur über Technologie- oder Finanzkonzerne.
Milliardäre bilden nur die Spitze des Vermögensbergs
Die sichtbaren Milliardäre prägen zwar das öffentliche Bild von Reichtum, stellen laut Cash und der darin besprochenen Analyse aber nur einen kleinen Teil der amerikanischen Oberschicht dar. Die knapp 200 Amerikaner auf dem «Bloomberg Billionaires Index» verfügen demnach über ein Gesamtvermögen von rund 7 Billionen US-Dollar – fast viermal so viel wie vor einem Jahrzehnt.
Weitere mindestens 18 Billionen Dollar liegen Schätzungen der Federal Reserve zufolge weitgehend verborgen bei den übrigen Angehörigen der obersten 0,1 Prozent. Diese Gruppe hält sich eher im Hintergrund, ihr Vermögen wächst jedoch offenbar fast genauso schnell wie das der allerreichsten Milliardäre.
| Bereich | Angabe |
|---|---|
| Amerikaner auf dem «Bloomberg Billionaires Index» | knapp 200 |
| Gesamtvermögen dieser Gruppe | rund 7 Billionen US-Dollar |
| Vermögen der übrigen Angehörigen der obersten 0,1 Prozent | mindestens 18 Billionen Dollar |
| Entwicklung des Vermögens der Index-Milliardäre | fast viermal so viel wie vor einem Jahrzehnt |
Auch der Immobilienmarkt und die private Luftfahrt gelten im Artikel als sichtbare Hinweise auf die Ausweitung großer Vermögen. Laut Schätzungen von Zillow stieg die Zahl der US-Einfamilienhäuser mit einem Wert von mindestens 10 Millionen Dollar bis zum Sommer dieses Jahres auf über 61'000. Vor einem Jahrzehnt waren es weniger als 14'000.
Die Flugverfolgungsplattform JetSpy verzeichnet jährlich fast 2,8 Millionen Flüge mit knapp 25'000 in den USA registrierten Privatjets. Gegenüber vor vier Jahren entspricht dies 8 Prozent mehr Flügen und 22 Prozent mehr Flugzeugen.
| Indikator | Aktuelle Angabe | Vergleich |
|---|---|---|
| US-Einfamilienhäuser mit einem Wert von mindestens 10 Millionen Dollar | über 61'000 | weniger als 14'000 vor einem Jahrzehnt |
| Jährliche Flüge mit in den USA registrierten Privatjets | fast 2,8 Millionen | 8 Prozent mehr Flüge als vor vier Jahren |
| In den USA registrierte Privatjets | knapp 25'000 | 22 Prozent mehr Flugzeuge als vor vier Jahren |
Infobox: Die öffentlich bekannten Milliardäre verfügen gemeinsam über rund 7 Billionen US-Dollar. Zusätzlich werden mindestens 18 Billionen Dollar bei der übrigen obersten Vermögensschicht verortet; steigende Zahlen bei Luxusimmobilien und Privatjets machen diesen Reichtum sichtbar.
Vom Millionär als Plutokraten zum erreichbaren Vorsorgeziel
Der Artikel beschreibt, wie sich die gesellschaftliche Wahrnehmung von Reichtum verändert hat. Als der Ökonom Robert Lampman 1962 eine Studie über die reichsten Amerikaner veröffentlichte, verwies er auf die «spärliche» Forschungslage. Die Vermögensverteilung in den Vereinigten Staaten sei bis dahin vergleichsweise wenig untersucht worden.
Lampman errechnete, dass das oberste Prozent der Bevölkerung im Jahr 1956 über 26 Prozent des US-Vermögens verfügte. Das waren 10 Prozentpunkte weniger als 1929. Zugleich lagen die Spitzensteuersätze auf Bundesebene in der Nachkriegszeit zwischen 70 Prozent und 92 Prozent.
Nach Jahrzehnten der Inflation verlor der Begriff «Millionär» laut dem Beitrag seinen Beigeschmack von «Plutokrat» und erschien zunehmend als erreichbares Ziel. Der Wegfall klassischer Betriebsrenten und die Verbreitung von 401(k)-Plänen führten zudem dazu, dass viele Amerikaner ein siebenstelliges Vermögen als Voraussetzung für einen sorgenfreien Ruhestand betrachteten.
| Historische Angabe | Wert |
|---|---|
| Anteil des obersten Prozents am US-Vermögen im Jahr 1956 | 26 Prozent |
| Unterschied zum Jahr 1929 | 10 Prozentpunkte weniger |
| Spitzensteuersätze auf Bundesebene in der Nachkriegszeit | zwischen 70 Prozent und 92 Prozent |
Das erste Viertel des 21. Jahrhunderts brachte neue finanzielle Sorgen: schwere Krisen, einen starken Inflationsanstieg und die KI-Revolution, die möglicherweise Arbeitsplätze kosten könnte. Gleichzeitig gelang es vielen Amerikanern, das Ziel zu erreichen, sich nie wieder Sorgen um Geld machen zu müssen.
Zusammenfassung: Der Begriff des Millionärs wandelte sich von einem Symbol plutokratischer Macht zu einem Ziel für die private Altersvorsorge. Zugleich verstärkten Krisen, Inflation und technologische Veränderungen die finanziellen Unsicherheiten.
Unternehmerische Leistung und Abhängigkeit vom Eigentümer
Die erste Hälfte des Buches schildert laut Cash einfallsreiche und hart arbeitende Unternehmer, die durch ungewöhnliche Ideen, zahlreiche Überstunden und die Bereitschaft, an scheinbar langweiligen Projekten zu arbeiten, Wohlstand aufbauten. Die Eigentümer solcher Unternehmen sind häufig schwer zu ersetzen.
Untersuchungen zufolge sinkt der Gewinn pro Mitarbeiter um mehr als 80 Prozent, nachdem die Eigentümer in den Ruhestand gehen oder unerwartet versterben. Der Beitrag stellt damit heraus, wie stark der wirtschaftliche Erfolg mancher Privatunternehmen an einzelne Personen gebunden ist.
«Durch harte Arbeit lässt sich nach wie vor aus wenig viel machen.»
Die Autoren zeichnen damit zunächst ein optimistisches Bild der obersten 0,1 Prozent. Der Vermögensaufbau erscheint als Ergebnis langfristiger Arbeit, unternehmerischer Ideen und der Bereitschaft, Verantwortung für wenig glamouröse Geschäftsmodelle zu übernehmen.
Infobox: Der wirtschaftliche Erfolg privat geführter Unternehmen hängt laut den im Artikel genannten Untersuchungen häufig stark an ihren Eigentümern. Nach deren Ruhestand oder unerwartetem Tod kann der Gewinn pro Mitarbeiter um mehr als 80 Prozent sinken.
Arbeitsdruck, Firmenübernahmen und Lobbying als umstrittene Erfolgsstrategien
Die zweite Hälfte von «Everywhere Millionaires» richtet den Blick auf die Schattenseiten des Vermögensaufbaus. Zidar und Zwick zeigen laut Cash, dass Arbeitnehmer einen immer kleineren Anteil an den Gewinnen privat geführter Unternehmen erhalten, während die Belegschaften unter Druck gesetzt werden.
Als weitere Strategien nennt der Beitrag den Aufkauf von Konkurrenten und das Lobbying für Gesetze, die eine Branche vor neuen Marktteilnehmern schützen. Obwohl Politiker häufig erklären, ihre Politik komme «kleinen» Unternehmen zugute, würden vor allem die reichsten Amerikaner profitieren. Gemeint sind Unternehmer, die oft Tausende von Mitarbeitern beschäftigen und Gewinne in Millionenhöhe erwirtschaften.
- Belegschaften werden unter Druck gesetzt.
- Arbeitnehmer erhalten einen immer kleineren Anteil an den Gewinnen privat geführter Unternehmen.
- Konkurrenten werden aufgekauft.
- Lobbying soll neue Marktteilnehmer fernhalten.
- Von Regelungen profitieren laut der Analyse vor allem die reichsten Amerikaner.
Der Reichtum zeigt sich laut dem Artikel nicht nur in den Zentren der Finanz- und Technologiewelt. Wer quer durch Amerika fährt und an nahezu beliebiger Stelle von der Autobahn abfährt, trifft demnach auf Fast-Food-Filialen, Tankstellen und Wohnhäuser, die häufig Personen gehören, die am anderen Ende der Stadt leben. Auch in entvölkerten Gegenden gibt es Eigentümer der brachliegenden Flächen.
Zusammenfassung: Der Beitrag verbindet den Erfolg privat geführter Unternehmen mit einer kritischen Analyse der Machtverteilung. Vermögen kann demnach durch Unternehmertum entstehen, wird aber auch durch Kostendruck, Übernahmen und politische Einflussnahme abgesichert.
Reiche als Wirtschaftsmotor und Interessengruppe
Ob es für die Amerikaner ein Glück oder ein Fluch ist, inmitten so vieler reicher Menschen zu leben, beantworten die Autoren laut Cash nicht eindeutig. Wohlhabende Menschen kurbeln demnach die Wirtschaft an, schaffen Arbeitsplätze, verbreiten Innovationen und können andere dazu inspirieren, ihrem Beispiel zu folgen.
Gleichzeitig verfolgen sie häufig eigene Interessen auf Kosten anderer. Das Buch stellt deshalb nicht nur die Frage, wie Reichtum entsteht, sondern auch, welchen Anteil die Gesellschaft an den Voraussetzungen dieses Erfolgs hat und ob die Vermögenden davon ausreichend zurückgeben.
«Wir können sie für ihren Erfolg bewundern und dennoch der Meinung sein, dass sie dem Land, das ihren Erfolg erst ermöglicht hat, mehr zurückgeben sollten.»
Infobox: Die Analyse kommt zu einem ambivalenten Ergebnis: Wohlhabende können Arbeitsplätze, Innovationen und wirtschaftliche Aktivität fördern. Zugleich können sie ihre Interessen zulasten anderer durchsetzen und nach Ansicht der Autoren mehr an das Land zurückgeben, das ihren Erfolg ermöglicht hat.
Quellen:














