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Luxus-Exodus: Briten kaufen Designermarken zunehmend in der EU
Seit dem Brexit hat sich das Einkaufsverhalten britischer Luxusliebhaber grundlegend verändert. Nach Angaben der Association of International Retail (AIR) werden britische Konsumenten im Jahr 2024 rund 854 Millionen Euro für mehrwertsteuerfreie Einkäufe in der EU ausgeben. Das ist ein Anstieg um das Fünffache gegenüber 169 Millionen Euro im Jahr 2021. Die Möglichkeit, in der EU steuerfrei einzukaufen, hat einen neuen, einkaufsorientierten Tourismusmarkt geschaffen, der auch Hotels, Restaurants und andere Dienstleistungen in Europa stärkt – auf Kosten des britischen Einzelhandels.
Die EU-Mehrwertsteuerrichtlinie ermöglicht es Nicht-EU-Bürgern, mindestens 15 % des Warenwertes zurückzufordern, wobei die meisten Länder einen Satz von 20 % anwenden. So erhalten Käufer einer Loewe Puzzle Bag in Paris oder Spanien für die kleine Tasche (3.600 €) 700 Euro und für die große Tasche (4.200 €) 840 Euro zurück. Die Zahl britischer Besucher in Paris stieg 2023 um 44 %, der höchste Zuwachs unter europäischen Touristen.
| Jahr | Ausgaben britischer Touristen (EU, steuerfrei) |
|---|---|
| 2021 | 169 Mio. € |
| 2024 | 854 Mio. € |
Großbritannien hat nach dem EU-Austritt das eigene Mehrwertsteuersystem abgeschafft und bietet internationalen Touristen keine mehrwertsteuerfreien Einkäufe mehr an. Nur Online-Käufe mit Lieferung ins Ausland sind ausgenommen. Nordirland behält eine Sonderregelung bei. Die britische Luxusbranche, vertreten durch Walpole, beklagt, dass die Luxusausfuhren in die EU um bis zu 43 % niedriger sind, als sie es ohne den Brexit gewesen wären. Im Mode- und Accessoire-Sektor beträgt der Rückgang sogar 64 %.
"Der britische Luxussektor hat ein unglaubliches Wachstumspotenzial, das bis zum Jahr 2028 voraussichtlich 125 Milliarden Pfund (144 Milliarden Euro) erreichen wird. Um dieses Ziel zu erreichen, können wir es uns jedoch nicht leisten, einen Arm im Rücken zu haben." (Helen Brocklebank, CEO von Walpole)
- 74 % der weltweiten Luxusgüter werden in der EU hergestellt.
- 62 % dieser Güter werden in Länder außerhalb der EU exportiert.
Eine YouGov-Umfrage zeigt, dass ein Viertel der Briten 2024 ein Luxusprodukt gekauft hat, 45 % dieser Käufer sind bereit, für Premiummarken mehr zu bezahlen. Mehr als die Hälfte gab bis zu 500 Pfund aus, 9 % bis zu 5.000 Pfund. 34 % der Käufer wollen auch 2025 ähnlich viel für Luxus ausgeben.
- Britische Luxusausgaben verlagern sich massiv in die EU.
- Großbritannien verliert durch fehlende Steuervergünstigungen an Attraktivität.
- Die britische Luxusindustrie verzeichnet deutliche Exportrückgänge.
- Die Nachfrage nach Luxus bleibt in Großbritannien hoch, wird aber zunehmend im Ausland bedient.
Italienische Strände: Sonnenbaden wird zum Luxusgut
In Italien explodieren die Preise für einen Tag am Strand. Besonders in privaten Strandbädern, die mehr als die Hälfte der italienischen Küsten kontrollieren, sind Kosten von 100 Euro für eine vierköpfige Familie keine Seltenheit mehr. Im exklusiven Club "Twiga" an der toskanischen Küste kostet ein Tag im "Herrscherzelt" mit vier Strandliegen, vier Kinderliegen, vier Liegestühlen, drei Stühlen und einem Tisch im August 1.500 Euro – ohne Essen und Trinken.
Auch in weniger luxuriösen Badeorten steigen die Preise. Im "La perla del Tirreno" in Santa Marinella bei Rom werden für zwei Liegen und einen Sonnenschirm 60 Euro verlangt. Ein Cappuccino kostet dort 5 Euro, ein Thunfisch-Cheeseburger 14 Euro. Unter 100 Euro kommt eine Familie kaum noch weg. Die Folge: Viele Liegen bleiben leer, der Tourismusverband Assobalneari Italia meldet einen Rückgang der Gästezahlen um 25 bis 30 Prozent in der bisherigen Saison. Nur an Sonntagen sind die Strände noch voll.
| Strandbad | Preis (Tag) |
|---|---|
| Twiga (Toskana) | 1.500 € |
| La perla del Tirreno (Santa Marinella) | 60 € |
| Porto Empedocle (Sizilien) | 20 € |
Im landesweiten Durchschnitt lag die Tagesmiete für zwei Liegen und Sonnenschirm 2024 bei etwas mehr als 30 Euro, Tendenz steigend. Viele Italiener können sich den Strandbesuch nur noch ein- bis zweimal pro Woche leisten. Schauspieler Alessandro Gassmann forderte öffentlich eine Preissenkung, doch die Branche verweist auf gestiegene Lebenshaltungskosten und hohe Personalkosten.
"Liebe Freunde, ich habe gelesen, dass die Saison nicht gut läuft. Vielleicht habt ihr mit den Preisen übertrieben. Senkt sie, und vielleicht wird es dann besser." (Alessandro Gassmann)
- Mehr als die Hälfte der Strände ist an Privatleute verpachtet.
- Viele Pachtverträge bestehen seit Jahrzehnten, oft zu sehr günstigen Konditionen.
- Auf Sizilien sind die Preise mit 20 Euro pro Tag noch vergleichsweise niedrig.
- Strandbesuche werden für viele Italiener zum Luxus.
- Preise steigen landesweit, besonders in privaten Strandbädern.
- Rückgang der Gästezahlen um bis zu 30 %.
- Politische Unterstützung für Preissenkungen ist nicht in Sicht.
Faktencheck: "Luxus-Mieten" für Bürgergeldempfänger
Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte im ARD-Sommerinterview, dass Jobcenter angeblich Mieten von über 20 Euro pro Quadratmeter und bis zu 2.000 Euro im Monat für Bürgergeldempfänger übernehmen. Ein Faktencheck des MDR zeigt jedoch, dass solche Fälle äußerst selten sind. Im Juni 2025 lag der durchschnittlich anerkannte Quadratmeterpreis nur im Main-Taunus-Kreis über 20 Euro (23 €/qm). In München lag der Durchschnitt bei 16,10 €/qm, in Hamburg bei 15,20 €/qm. In mitteldeutschen Großstädten wie Leipzig (5,60 €/qm) oder Dresden (7,30 €/qm) sind die Werte deutlich niedriger.
| Stadt/Kreis | Ø anerkannter Mietpreis (€/qm) |
|---|---|
| Main-Taunus-Kreis | 23,00 |
| München | 16,10 |
| Hamburg | 15,20 |
| Leipzig | 5,60 |
| Dresden | 7,30 |
Nur 0,42 % aller Bedarfsgemeinschaften in Deutschland erhielten 2025 eine Wohnkostenübernahme mit über 20 €/qm. Wohnungen mit 100 qm oder mehr sind unter Bürgergeldempfängern selten (6,3 %), meist handelt es sich um größere Bedarfsgemeinschaften oder Wohngemeinschaften. In München müsste eine Bedarfsgemeinschaft aus mindestens sechs Personen bestehen, um auf 2.000 Euro Mietkosten zu kommen. In Leipzig wären dafür sogar 21 Personen nötig.
Die durchschnittlich übernommenen Kosten liegen bundesweit bei 8,19 €/qm. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sogar unter 6 €/qm. Insgesamt machen die Unterkunftskosten etwa ein Viertel des Bürgergeld-Budgets aus, für 2025 sind rund 45 Milliarden Euro eingeplant, davon etwa elf Milliarden für Unterkunft.
- Im ersten Jahr des Bürgergeldbezugs (Karenzzeit) prüft das Jobcenter die Angemessenheit der Miete nicht.
- 12,6 % der Bedarfsgemeinschaften mussten 2024 einen Teil der Miete selbst zahlen, im Schnitt 116 Euro monatlich.
- Extrem hohe Mieten werden nur in Ausnahmefällen übernommen.
- Die meisten Bürgergeldempfänger leben in Wohnungen mit deutlich niedrigeren Mieten.
- Die Kritik an "Luxus-Mieten" ist statistisch kaum belegbar.
Haustiere werden für viele Berliner zum Luxus
Immer mehr Menschen mit geringem Einkommen in Berlin können sich ihr Haustier kaum noch leisten. Die Berliner Tiertafel unterstützt sie mit Futterspenden, doch auch der Verein steht unter Druck, da das Land Berlin die Gelder für die Tafel gekürzt hat. Die Nachfrage nach Unterstützung steigt, während die finanziellen Mittel sinken.
Die Tiertafel hilft vor allem Menschen, die durch gestiegene Lebenshaltungskosten und Inflation an ihre finanziellen Grenzen geraten. Viele Betroffene berichten, dass sie ohne die Unterstützung der Tiertafel ihr Haustier abgeben müssten. Die Kürzungen der öffentlichen Gelder verschärfen die Situation zusätzlich.
- Die Berliner Tiertafel verzeichnet eine steigende Nachfrage.
- Gekürzte Landesmittel erschweren die Arbeit des Vereins.
- Viele Haustierbesitzer sind auf die Unterstützung angewiesen, um ihre Tiere behalten zu können.
- Haustierhaltung wird für viele Berliner zum Luxus.
- Die Tiertafel ist auf Spenden und Unterstützung angewiesen.
- Staatliche Kürzungen verschärfen die Lage für Tierhalter mit geringem Einkommen.
Quellen:
- Schlag für britischen Luxus: Briten reisen für Louboutins nach Europa
- Aktien von Hermès bis Ferrari: Jetzt gerät auch der High-End-Luxus ins Wanken
- Wenn das Sonnenbaden Luxus wird: Italien verzweifelt an Mondpreisen an den Stränden
- "Luxus-Mieten" für Bürgergeldempfänger – Was stimmt an Merz’ Aussagen?
- Video | Berliner Tiertafel: Wenn das Haustier zum Luxus wird
- Absurde Strandliegen-Preise: Luxus-Spot verlangt über 200 Euro













